Interview mit Clemens Maria Haas – „Ich möchte, dass möglichst viele Menschen über die sozialen Netzwerke ein gutes Beispiel verbreiten.“

 Clemens Maria Haas - Komponist und Interpret des Kampagnenliedes „Die Erben der Rose“

Clemens Maria Haas – Komponist und Interpret des Kampagnenliedes „Die Erben der Rose“

Niemand ist davor gefeit, Adressat von Hass-Propaganda zu werden und diese auch weiterzuverbreiten.

Aus diesem Anlass initierte der Potsdamer Musiker und Komponist Clemens Maria Haas eine Kampagne gegen die Verbreitung von Hass-Propaganda über soziale Netzwerke wie z.B. Facebook und Youtube.

Was für ihn der persönliche Auslöser war und welche Vorbild-Rolle die Geschwister Scholl dabei spielen eine Initiative gegen Hass-Propaganda in den sozialen Netzwerken zu starten und dafür Unterstützer zu gewinnen, verrät Clemens Maria Haas – Komponist und Interpret des Kampagnenliedes „Die Erben der Rose“ – im folgenden Interview.

Interview mit Clemens Maria Haas

Was war für Sie der persönliche Auslöser, eine Initiative gegen Hass-Propaganda in den sozialen Netzwerken zu starten und dafür Unterstützer zu gewinnen?

Auch ich bin mehr und mehr mit abstoßender Hass-Propaganda konfrontiert gewesen. Selbst meine besten Facebook-Freundinnen und -Freunde haben manchmal Dinge geteilt, die sie nicht richtig zuordnen konnten oder von denen sie schockiert oder emotional berührt waren. Niemand ist davor gefeit, Adressat von Hass-Propaganda zu werden und diese auch weiterzuverbreiten. Denn diese Filme und Bilder sind manchmal sehr gut und subtil gemacht. Sie nutzen ein tatsächliches oder vermeintliches Unrecht aus und setzen es sehr emotional in Szene. Die ideologische Botschaft aber ist immer Hass: Hass gegen anders Denkende, anders Glaubende oder anders Aussehende.

Warum beziehen Sie sich in Ihrem Lied „Die Erben der Rose“ auf die Widerstandsgruppe rund um die Geschwister Scholl?

Mein Vater, der Maler und Bildhauer Siegfried Haas, hat mir sehr viel von seinen eigenen Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus erzählt. Er gehörte in den 40er Jahren zu einem Kreis junger Studenten, die an der Stuttgarter Kunsthochschule Flugblätter gegen die Nazis verteilten und in Kontakt zu den Mitgliedern der „Weißen Rose“ in München standen. Diese jungen Leute haben damals aktiven Widerstand geleistet gegen die Hass-Propaganda des Regimes, indem sie mit ihren Flugblättern die Wahrheit verbreiten wollten. Diesen Widerstand haben die Geschwister Scholl und andere mit dem Leben bezahlt. Sie sind noch heute Vorbild und mit unserem Lied „Die Erben der Rose“ will ich daran erinnern, da diese mutige Haltung heute genauso notwendig ist wie damals, sich nur die Felder der Hasspropaganda in die sozialen Netzwerke verlagert haben.

Was soll die Kampagne gegen Hass-Propaganda erreichen?

Ich möchte, dass möglichst viele Menschen über die sozialen Netzwerke ein gutes Beispiel verbreiten. Dass Sie den Kampagnen-Button in ihre Facebook-Profile integrieren, dass sie das Lied weiterverbreiten und dass sie sich darüber bewusster mit dem Phänomen Hass-Propaganda auseinandersetzen. Ich wünsche mir dabei keinen erhobenen Zeigefinger oder Belehrungen. Viel besser ist es, Instrumente zum Erkennen von Manipulation anzubieten, Instrumente die ich mir für mich selbst gewünscht habe. Wir wollen den Nutzern zeigen, dass sie es selbst in der Hand haben, sich nicht manipulieren zu lassen und In ihren Netzwerken die Kette aus Hasspropaganda einfach unterbrechen können.

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