Ein Verein aus Potsdam startet bundesweite Initiative gegen Hass-Propaganda im Internet

Christoph

Christoph Miethke, Potsdamer Unternehmer und Vorsitzender des Vereins „Neues Potsdamer Toleranzedikt“

Christoph Miethke, Potsdamer Unternehmer und Vorsitzender des Vereins „Neues Potsdamer Toleranzedikt“, fand die Idee, in den sozialen Netzwerken ein Zeichen gegen verbohrte Ideologen und deren Weltanschauungen zu setzen von Anfang an gut und wichtig.

Und da die sozialen Netzwerke im Internet zunehmend Teil unseres Alltags sind, sollten wir die Toleranzdiskussion auch auf dieser Ebene vorantreiben und auch bundesweit ein Zeichen setzen. Warum mit der Kampagne „Die Erben der Rose“ unter dem Motto „Stoppt Hass-Propaganda! Erst prüfen, dann teilen.“ nicht nur Jugendliche angesprochen werden sollen, erklärt Christoph Miethke im folgenden Interview.

Interview mit Christoph Miethke

Warum eine Initiative aus Potsdam gegen Hass-Propaganda im Internet?

Engagement fängt meistens unten an, in kleinen gesellschaftlichen Zusammenhängen. Der Musiker Clemens Maria Haas und die Produzentin Claudia Mielke, beide wohnen seit etlichen Jahren in Potsdam, sind an unseren Verein herangetreten mit der Bitte um Unterstützung. Toleranz, Demokratie, Weltoffenheit – das sind universelle Werte, die nicht nur innerhalb von Stadt- oder Gemeindegrenzen gelebt werden. Insofern fanden wir die Idee, in den sozialen Netzwerken ein Zeichen zu setzen gegen verbohrte Ideologen und deren Weltanschauungen von Anfang an gut und wichtig und haben angeboten, dafür die Trägerschaft zu übernehmen. Das „Neue Potsdamer Toleranzedikt“ ist ein Verein, der den Zusammenhalt der Bürger gegen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und politischen Extremismus stärken will. Und da die sozialen Netzwerke im Internet zunehmend Teil unseres Alltags sind, sollten wir die Toleranzdiskussion auch auf dieser Ebene vorantreiben und auch bundesweit ein Zeichen setzen.

In welcher Tradition steht diese Initiative aus Potsdam?

Von Potsdam gingen in der Vergangenheit wichtige Signale aus für Weltoffenheit und Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Religionen. Potsdam ist nicht nur gleichzusetzen mit Preußentum und Militarismus. Hierher kamen schon im  2. Jahrhundert die Zisterzienser aus Frankreich, später holten die Preußenkönige die in ihrer Heimat verfolgten Hugenotten ins Land, es wurden Holländer angesiedelt, Litauer, Polen. Die Bevölkerung begegnete diesen fremden Kulturen anfangs nicht nur mit Offenheit und ohne Ressentiments, aber mit Geduld und langem Atem kam es zu einer fruchtbaren Vermischung. Eine wichtige Grundlage waren königliche Erlasse wie das 1685 vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm erlassene Edikt von Potsdam. Als Verein knüpfen wir an diese Historie an.

Gibt es nicht schon genug andere Kampagnen, die Jugendliche vor politischem Extremismus warnen?

Es geht nicht nur um Jugendliche! Nur 35 Prozent der Nutzer von sozialen Netzwerken im Internet sind jünger als 25 Jahre. Sicherlich sind Heranwachsende anfälliger für ideologische Verführer, wie man leider aktuell an dem enormen Zulauf für den „Islamischen Staat“ sehen kann. Aber die Hass-Propaganda versucht auch Erwachsene zu manipulieren, ob es sich um das Thema Asyl handelt oder den Ukraine-Konflikt. Unsere Initiative ist insofern neu, weil wir ganz konkret bei Facebook & Co ansetzen und weil wir uns gegen Hass-Propaganda gleich welcher Weltanschauung wenden.

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