Beispiel: „Eid Greetings from the land of Khilafah“

Aufgerufen am: 12.11.14

1. Screenshots

7_Bsp-IS-Fastenbrechen

2. Wo wurde der Content verbreitet?

Auf Youtube unter http://www.youtube.com/watch?v=nXYZ* oder unter XYZ*

Aber auch über Twitter, z.B. hier: https://twitter.com/OughtfXYZ*

Oder diversen anderen Web-Seiten, wie hier: http://XYZ*

oder hier: http://XYZ*

3. Inhaltsbeschreibung

Männer und Kinder im sogenannten Kalifat des IS feiern das Fest des Fastenbrechens (engl. Eid) – zunächst in einer Moschee, dann ausgelassen auf den Straßen. Kämpfer aus den verschiedensten Ländern grüßen ihre Familien, erklären warum sie für den IS kämpfen und wie großartig das Leben im Kalifat ist. Sie fordern Muslime im Ausland auf, ihrem Beispiel zu folgen. Sowohl das gesprochene Wort, als auch die Musik-Untermalung ist übersetzt mit englischen Untertiteln – sofern nicht ohnehin englisch gesprochen wird.

4. Welche Emotion wird ausgelöst?

Die IS-Kämpfer erscheinen als große, liebevolle Gemeinschaft, die Gläubige aus allen Ländern endlich in einer Art Paradies auf Erden versammelt. Obwohl ständig Waffen zu sehen sind, fällt kein einziger Schuss. Alles wirkt sehr friedlich und positiv. Der Zuschauer hat das Gefühl, mitzufeiern beim Fastenbrechen.

5. Dominierendes Kommunikationselement

Fröhliche, glückliche Gesichter, bunte Farben, viel Bewegung ohne hektisch zu wirken. Einzelne Kämpfer werden immer wieder in Nahaufnahme herangeholt und auch mit Namen vorgestellt. Fast der ganze Film ist unterlegt mit einem arabischen Lied, dessen Text in englisch eingeblendet wird und beständig wiederholt, wie glücklich, friedvoll und organisiert das Leben im Islamischen Staat ist.

6. Zweck/Ziel des Films:

Der ganze Film ist in englisch gesprochen oder untertitelt. Der Zweck ist eindeutig, Muslime aus dem Ausland für den Kampf im IS zu gewinnen. Daher auch die Betonung der internationalen Gemeinschaft durch Statements von Kämpfern aus verschiedenen Ländern. Gleichzeitig wird der IS als friedliebende, freundliche und wohltätige Organisation dargestellt.

7. Detailanalyse

Schon der Titel „Eid Greetings from the land of Khilafah”, also “Grüße zum Fastenbrechen aus dem Land des Kalifats“, der anfangs und auch zwischendrin immer wieder eingeblendet wird, wirkt fröhlich und fordert auf, das Video zu teilen.

1.28
Der Prediger in der Moschee nutzt martialische Wendungen, wie „Wir sagen Allah ist groß – so viele Male, wie Kugeln fliegen. Wir sagen Allah ist groß – so viele Male wie die Märtyrer Feinde töten oder in die Luft sprengen“. Der Gottesdienst endet mit den skandierten Rufen „Allah ist groß!“ und „Der Islamische Staat wird bleiben!“. Es entsteht der Eindruck einer großen Zahl Gläubiger, die sich einig sind in der Anbetung Allahs und des Kalifats.

4.35
Während die Musik einsetzt, sieht man Männer, die sich liebevoll zum Fastenbrechen beglückwünschen. Das Lied heißt in der englischen Übersetzung „The Shariah Of Our Lord Is Light“, untermalt fast den kompletten Film und wirkt mit seinen beständig wiederholten einfachen Botschaften sehr eindringlich.

6.26
Der erste ausländische Kämpfer aus Großbritannien tritt auf, dann Mitstreiter aus Finnland, Indonesien und Tunesien. Der Inhalt ist stets derselbe: Die Dschihadisten grüßen ihre Familien oder alle Muslime auf der Welt, erklären, warum sie dem IS beigetreten sind und wie großartig es ist, im Kalifat zu leben. Sie fordern alle Muslime auf, ihnen in den Kampf zu folgen.

11.45
Kämpfer verteilen Spielzeug an strahlende Kinder, danach folgen weitere Statements von Protagonisten aus Marokko und Belgien.

14.39
Glückliche Kinder spielen auf einem großen Klettergerüst, fahren mit ihren Vätern oder anderen Männern auf Karussels, Auto-Scootern, einer kleinen Eisenbahn. Danach folgen weitere Kämpfer-Statements aus den USA und Südafrika – oft mit Kleinkindern auf dem Arm. Obwohl überall Waffen zu sehen sind, wirken die Szenen friedlich.

18.07
Verschiedene Sänger singen ein Loblied auf Abu Bakr al-Baghdadi, den Führer des Kalifats, als „Terrorist der Feinde“. Wieder entsteht der Eindruck einer großen, einigen Gemeinschaft, die gemeinsame Werte vertritt – und das mit Leidenschaft und Kraft.

20.48
Der Schriftzug „I wish you were here“ prangt groß auf dem Bildschirm und überdeckt lachende Kindergesichter.

8. Glaubwürdigkeit und technische Umsetzung

Der Film stammt von der Medienabteilung des IS „XYZ“* und ist sehr professionell in HD-Auflösung gedreht. Er wirkt wie ein Werbefilm für das Kalifat – und so ist er wohl auch gedacht.

Die Protagonisten wirken sehr glaubwürdig, da sie mit Namen vorgestellt werden und teilweise in ihrer Landessprache sprechen. Durch die allgegenwärtigen Waffen ist klar, dass die anwesenden Männer zum Kämpfen dort sind.

9. Vermutliche Quellen des Materials:

Die Filmsequenzen wurden eindeutig extra von XYZ* für dieses Video gedreht. Das goldene Logo steht stets rechts oben in der Ecke.

10. Urheber/Resonanz

Bei Youtube (und geteilt über Google+) eingestellt am 7.8.2014 von „XYZ“*; der User postet oft islamistische Videos und hat 219 Abonnenten. Seine Herkunft ist nicht nachvollziehbar. Das Video wurde allein bei Youtube 18.733 Mal aufgerufen und erhielt 51 Likes und 49 Kommentare.

Wer den Film auf der Seite XYZ* eingestellt hat, ist nicht nachvollziehbar. Er wurde dort aber 21.234 Mal heruntergeladen.

11. Zusammenfassung

Sieh zweimal hin:

Auf den ersten Blick handelt es sich um einen fröhlichen und stimmungsvollen Film, mit dem fromme Muslime ihre Glaubensgenossen zum Fest des Fastenbrechens grüßen können. Das vom IS ausgerufene Kalifat wirkt freundlich, friedliebend und wohltätig. Gutaussehende Männer aus aller Welt erklären, wie glücklich sie im Islamischen Staat leben und warum sie den Kampf dort unterstützen.

Erst auf den zweiten Blick wird klar, wozu das Video dient: Dschihadisten aus vielen Ländern versuchen mit ihren Statements Muslime dazu zu bewegen, sich dem IS im Kampf für das Kalifat anzuschließen. Deshalb ist der Film, der von der offiziellen Propaganda-Abteilung des IS stammt, so professionell gestaltet und ganz in Englisch betextet. Die Musik mit ihren immer wiederkehrenden einfachen Botschaften vom großartigen Leben im Kalifat soll die Botschaften zusätzlich im Kopf des Zuschauers verankern.

Täuschungsmanöver: Tatsächlich scheint das Leben im Kalifat nur an diesem besonderen Feiertag und auch nur für junge gesunde Männer so attraktiv zu sein. In 20 Minuten Film sieht man keine einzige Frau, stattdessen waffenstrotzende Männer, auch viele Kleinkinder mit Spielzeug-Waffen. Es ist klar, dass diese Waffen auch im Kampf eingesetzt werden – solche Szenen zeigt der Film aber bewusst nicht.

Wem nützt das? Den islamistischen Kämpfern vom IS, die so Verstärkung rekrutieren wollen.

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Autorenteam:
Daniel Bröckerhoff (Hamburg. Fernseh- und Onlinejournalist, u.a. für das NDR-Medienmagazin ZAPP), Ivette Löcker (Berlin, Dokumentarfilmerin und Rechercheurin für Film- und Medienprojekte), Iris Roell (München, Journalistin und Buchautorin, langjährige Redakteurin im Medienressort des Nachrichtenmagazin FOCUS und beim Elternmagazin FOCUS Schule), Bernd Zywietz (Mainz, Filmwissenschaftler und Mediendramaturg am Institut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität).