Beispiel: „Donbas against nazi – music video“

Aufgerufen: 13.11.2014

1. Screenshots

1_Bsp-Donbas

2. Wo wurde der Content verbreitet?

Auf youtube unter: https://www.youtube.com/watch?v=brp1XYZ*
Auf dieser Seite (ukrainisch): http://city.zp.ua/searchvideo.php?search=DPRXYZ*
Auf folgenden spanischsprachigen Portalen („Videos de Nazi Music Video“): –.
–*
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3. Inhaltsbeschreibung

Zu einem auf Englisch gesungenen Rocksong sehen wir Found Footage-Material von Soldaten, die Raketen zünden, sich umarmen und freuen, das Victory-Zeichen machen und die Flagge Südossetiens halten, darüber der Titel “Donbas against nazi. Europe against Right Sector“. Vom Song verstehen wir “We are ready to fight to the end“. Am Ende ist die Flagge der „Volksrepublik Donezk“ eingeblendet mit dem Text “Godspeed Novorossya“ (Viel Glück, Neurussland).

4. Welche Emotion wird ausgelöst?

Wir sehen siegessicher strahlende Soldaten. Die aufmunternde Musik, der Text des Songs und die Bilder vermitteln dem Zuschauer das angenehme Gefühl, dass alle vereint und stark sind und gemeinsam ihr Ziel erreichen werden – den Donbass gegen die Nazis zu verteidigen.

5. Dominierendes Kommunikationselement

Das Video lebt von den Amateuraufnahmen von Soldaten und der darunter gelegten Musik, die den Kampfgeist der Soldaten unterstreicht. Der Song stammt von der polnischen Gruppe “Afromental“, vom Album “Bomb“, Titel des Songs: “To the End“.

Die im Video verwendeten Lyrics lauten:
“We gonna fight, gonna fight, gonna fight to the end
We are the ones to make a change
We gonna show it to the whole wild wild world
We are ready to go hard face to face
We gonna fight, gonna fight, gonna fight to the end“

6. Zweck/Ziel des Films:

Der Zweck des Videos liegt darin, den Kampfgeist der Soldaten im Donbass-Gebiet zu beschwören und den Zuschauer auf den Sieg der Separatisten gegen die „Nazis“ einzuschwören. Ziel ist es, den Zuschauer auf die Seite der „Guten“, der Separatisten zu ziehen.

7. Detailanalyse

0:04
Amateuraufnahme: ein Feld, Haubitze, Soldat. Aus dem OFF hört man eine russische Stimme, nicht untertitelt (sie sagt in etwa: “Alle weggehen! Feuer!“), mit dem Munitionsfeuer setzt der Song ein.

0:11
Soldaten umarmen sich, lachen in die Kamera. Ein Soldat, der in einem Panzer sitzt, macht das Victory-Zeichen.

0:16
Munition in Nahaufnahme. Laufende Soldaten mit Gewehren. Ein Panzer fährt durch Wohngebiet.

0:25
Nahaufnahme Soldat, der konzentriert ein Ziel ins Auge nimmt. Dann kommt eine Flagge (weiß-rot-gelb) ins Bild, mit Soldaten, die lachen. Texttafel: “Donbas against nazi Europe against Right Sector“. Dass es sich bei der Flagge um diejenige Südossetiens handelt, können nur politisch versierte Zuschauer dekodieren.

0:31
Die Flagge der “Volksrepublik Novorossiya“ (rot mit blauem Kreuz diagonal) taucht auf, Einblendung: Godspeed Novorossiya.

8. Glaubwürdigkeit und technische Umsetzung

Das Video besteht aus Amateuraufnahmen, gedreht in niedriger Videoqualität und schlecht geschnittenen Toneinsätzen. Es wirkt wie die private Produktion eines Soldaten. Insofern hat es eine “authentische“ Wirkung.

9. Vermutliche Quellen des Materials:

Vermutlich private Amateuraufnahmen. Das Video lässt keinen Rückschluss auf den Urheber/die Urheber zu. Der Song stammt vom Album “Bomb“ der polnischen Gruppe “Afromental“.

10. Urheber/Resonanz

Eingestellt bei youtube am 4.10.2014, 134 Aufrufe und 0 Kommentare, 1 Like. Nutzer, der es hochgeladen hat: “XYZ“*. Es ist das einzige Video dieses Users.

11. Zusammenfassung für die Veröffentlichung

Sieh zweimal hin:

Auf den ersten Blick handelt es sich um ein Spaßvideo, wie es unter Soldaten geteilt werden könnte. Es zeigt fröhliche Soldaten, die Geschosse abfeuern, ohne dass man ein konkretes Ziel oder Kampfhandlungen sieht. Sie umarmen sich, gratulieren einander. Die Rockmusik unterstreicht ein Gefühl der Siegesgewissheit.

Beim näheren Hinhören wird klar, welche Botschaft der Song und das Video vermitteln: “We fight to the end / We are the ones to make the change“ – wir kämpfen bis zum Ende, wir werden alles verändern. Das Kämpfen wird allerdings völlig unblutig dargestellt, das Soldatenleben wirkt wie ein Kinderspiel.

Wenn am Ende die Einblendung erscheint “Donbas against nazi / Europe against Right Sector“, so wird auf diese Weise ganz Europa vereinnahmt – und der Zuschauer soll sich auf der Seite der Richtigen fühlen. Denn wenn der Donbas gegen “Nazis“ kämpft, tut er das auch für und mit Europa, wird suggeriert. (Eine Abgrenzung oder Unterscheidung von „Nazi“ und „Rechter Sektor“ findet nicht statt.)

Wem nützt das? Den Separatisten in der Ostukraine, die die unabhängige “Volksrepublik Novorossiya“ propagieren und sich als Kämpfer gegen “Nazis“ stilisieren.

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Autorenteam:
Daniel Bröckerhoff (Hamburg. Fernseh- und Onlinejournalist, u.a. für das NDR-Medienmagazin ZAPP), Ivette Löcker (Berlin, Dokumentarfilmerin und Rechercheurin für Film- und Medienprojekte), Iris Roell (München, Journalistin und Buchautorin, langjährige Redakteurin im Medienressort des Nachrichtenmagazin FOCUS und beim Elternmagazin FOCUS Schule), Bernd Zywietz (Mainz, Filmwissenschaftler und Mediendramaturg am Institut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität).